Schwandorf mobilisierte in kurzer Zeit 200 Menschen gegen Rechts

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Bis zu 200 Menschen demonstrierten am gestrigen Samstag gegen eine Neonazi-Kundgebung der Partei „Der III. Weg“ in Dachelhofen; alle Fotos: Thomas Witzgall

Eindeutige Kräfteverhältnisse schufen die Einwohner der Stadt an der Naab am Samstag. Eine Gruppe Neonazis aus den Reihen der Partei Der Dritte Weg war an dem Tag auf Anti-Asyl-Tour in der Oberpfalz. Die Veranstaltungsreihe war erst am Freitagvormittag bekannt geworden.

Von Thomas Witzgall, Endstation Rechts. Bayern

Nächste Woche soll im Schwandorfer Ortsteil Dachelhofen eine neue Unterkunft für 59 Geflüchtete ihre Pforten öffnen. Für die Neonazis des Stützpunktes Ostbayern des Dritten Weges Anlass, dort mit einer Kundgebung Stimmung zu machen bzw. es zumindest zu versuchen. Freitag im Laufe des Vormittags machten Gerüchte über den unliebsamen Besuch die Runde. Der Kundgebungsort vor der Mittelschule Dachelhofen wäre auch abgelegen genug gewesen, um die Versammlung zu ignorieren. Zudem war zeitgleich auch Bürgerfest in der Stadt. Die letzte Veranstaltung der Neonazis in der Stadt ist etwa drei Jahre her. Kurzum: Für das lokale Bündnis gegen rechts hätte es genug Ausreden gegeben, nichts zu tun. Die Beteiligten entschieden sich aber anders und wurden belohnt. Nach anfänglich etwa 100 Bürgerinnen und Bürger wuchs das demokratische Lager im Laufe der Veranstaltung auf etwa 200 Personen an. Der Schwandorfer Landtagsabgeordnete Franz Schindler (SPD) heizte zusammen mit anderen den Neonazis mittels Trillerpfeifen gehörig ein. Bürgermeisterin Ulrike Roidl war ebenso anwesend wie einzelne Stadträte, Altlandrat Volker Liedtke oder Pfarrer Arne Langbein. Mitglieder der Gewerkschaft versorgten die Protestierenden mit weiteren Schildern und Bannern gegen rechts.

„Zieht den Nazis die Lederhosen aus!“

 

Auf der anderen Straßenseite vor der Schule fanden sich 25 Anhänger der Partei ein, die in Bayern als Nachfolgeprojekt des verbotenen Kameradschaftsnetzwerkes Freies Netz Süd gilt. Ein Teil trat uniformiert in den T-Shirt der Partei auf, ein anderer Teil versuchte in Tracht teilweise mit Turnschuhen kombiniert, wohl eine Art Heimatverbundenheit zu symbolisieren. Während der Veranstaltung schallte ihnen dann aber auch ein „Zieht den Nazis die Lederhosen aus!“ entgegen. Für Freude im demokratischen Lager sorgte auch die Parole „Altötting“. Die Rufer verdeutlichten damit, dass keiner der Kundgebungsteilnehmer ein Schwandorfer Bürger war. Der als Lautsprecherfahrzeug verwendete PKW trug das Kennzeichen des ostbayerischen Landkreises. Nur eine kleine Gruppe von vier lokalen Jugendlichen stand abseits der Versammlung und zeigte durch ihr Verhalten eine gewisse Sympathie für das Anliegen der Rechten. Auf Seiten der Neonazis nahm auch der ehemalige Schüler des Chamer Robert-Schuman-Gymnasiums teil, der wegen Störung des Schulfriedens vergangenes Jahr die Bildungseinrichtung verlassen musste. Das Tattoo mit einer verbotenen Losung am Unterarm wurde allem Anschein nach überstochen.

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In Konzentrationslagern sei genug Platz

 

Neben dem Versammlungsleiter Walter Strohmeier, Leiter des ostbayerischen Stützpunktes, traten noch Roy Asmuß (Teising), der verurteilte Rechtsterrorist Karl Heinz Statzberger und ein nicht namentlich vorgestellter Aktivist auf. Trotz zwei Akteure mit längerer Knasterfahrung – Strohmeier saß wegen gefährlicher Körperverletzung länger ein – spekulierten die Neonazis dann auch munter über angeblich steigende Kriminalitätsraten durch Flüchtlinge. Statzberger war auch vor einer Woche am Rande eine Pegida-Veranstaltung von der Polizei abgeführt worden. Angeblich hatte er einen Polizisten gestoßen. Asmuß, zuletzt verantwortlich für die Seite des Freien Netz Süd, bemühte die in rassistischen Kreisen beliebte Indianer-Analogie. Statzberger brachte die ehemaligen Konzentrationslager als Flüchtlingsunterkünfte ins Gespräch. Dort sei laut ihm noch genug Platz. Strohmeier versuchte mittels eines Zitats von Finanzminister Markus Söder das Schreckgespenst überbordender Ausgaben für Flüchtlingsunterkünfte an die Wand zu malen. Der Finanz- und Heimatminister hatte in einem missglückten Veranschaulichungsversuch verbreitet, die Ausgaben für Geflüchtete seien mit prognostizierten drei Milliarden Euro höher als die Ausgaben der Freistaats für Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft zusammen. Der Dritte Weg hatte schon während der Woche die Zahlen aufgegriffen, dabei die wesentlich höheren Bundesausgaben in den drei genannten Bereichen vollkommen unter den Tisch fallen lassen.

Cham und Furth im Wald mit Freifahrtsschein für extreme Rechte

 

Pünktlich um 12.45 Uhr packten die Neonazis dann ihre Banner, Fahnen, Lautsprecheranlage und Pavillon ein und begaben sich zu ihrer nächsten Station in Neunburg vom Wald. Dort protestierten nach Angaben eines Teilnehmers auch etwa fünfzig Personen gegen die Veranstaltung. Auch hier angesichts der Kürze der Zeit ein gutes Zeichen.

Dass es auch rechter Sicht doch noch einen versöhnlichen Abschlusses des Kundgebungstages gab, dafür sorgten die Stadtoberen in Cham und Furth im Wald, ebenfalls Stationen an dem Tag. Bürgermeisterin Karin Bucher (Freie Wähler) rechtfertige ihr Schweigen auf Facebook damit, Neonazis keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Eine fadenscheinige Begründung. Die Neonazis hatten sich in der Stadt am Regenbogen mit dem Floßhafen einen beliebten Standort für ihre Versammlung ausgesucht, den auch demokratische Initiativen gerne nutzen, an einem gut frequentierten Parkhaus, nahe der Altstadt und in Hörweite eines Schwimmbades. Frau Bucher ist in dem Fall Wiederholungstäterin. Schon im April hatte ihre Verwaltung eine Anmeldung des Dritten Weges verschwiegen und die Neonazis ungestört in der Innenstadt agieren lassen. Auch dieses Mal konnten sie so ungestört ihre Parolen unter die Leute bringen und mit Passanten in Kontakt treten.
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