Haftbefehl aus Weiden: KZ-Wärter in den USA verhaftet

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Im KZ-Ausschwitz (Bild) soll Breyer Wachmann gewesen sein | Foto: Rüdiger Löster

Der KZ-Wärter Johann Breyer ist vor zwei Tagen in den USA in Gewahrsam genommen worden, weil er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Weiden an der Ermordung von über 300.000 Juden beteiligt war. Den 89-Jährigen, der bis zu seiner Emigration 1952 in der Oberpfalz gelebt hat, erwartet nun eine Auslieferung.

Von Johannes Hartl

Bereits am Dienstag, den 17. Juni, ist Johann Breyer im amerikanischen Philadelphia von den Behörden wegen eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz verhaftet worden. Dem 89 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, an der Ermordung von mehr als 344.000 Juden beteiligt gewesen zu sein. Während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft soll er demnach an der von Mai bis Oktober 1944 andauernden Deportation von Juden aus Deutschland, Ungarn und der Tschechoslowakei in das KZ-Auschwitz-Birkenau mitgewirkt haben. Im Zeitraum von 1943 bis 1945 sei er zudem als Wärter im Konzentrationslager tätig gewesen.

Breyer wurde 1925 in der Tschechoslowakei geboren und hat nach der NS-Diktatur zuerst in der nördlichen Oberpfalz gelebt, bevor er 1952 in die USA emigriert ist. Dort lebte der pensionierte Werkzeugmacher bis zu seiner Verhaftung schließlich in Philadelphia an der US-amerikanischen Ostküste. In den Vereinigten Staaten wurde schon 1992 versucht, Breyer wegen seiner Tätigkeiten in der NS-Zeit die Staatsbürgerschaft abzuerkennen und ihn des Landes zu verweisen. Damals hatte der inzwischen 89-Jährige nach einem Bericht der „Jüdischen Allgemeinen“ auch eingeräumt, als Wachmann im KZ gearbeitet zu haben, aber nichts von der Ermordung der Juden gewusst zu haben. Das Verfahren endete 2003 erfolglos, weil er mit 17 der SS beigetreten ist und hierfür wegen seiner Minderjährigkeit nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Jetzt, über 20 Jahre später, konnte Breyer wegen eines internationalen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz in Gewahrsam genommen werden. Die dortigen Staatsanwälte haben 2012 ein Ermittlungsverfahren  eröffnet, weil er als Wachmann in Auschwitz an Kriegsverbrechen teilgenommen habe. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ soll er damals bei der Ermordung von 344.000 Juden mitgeholfen haben, die von Deutschland, Ungarn und der Tschechoslowakei aus mit bis zu 158 Zügen deportiert worden sind.

Nachdem der 89-Jährige am 17. Juni verhaftet worden ist, wurde er nur einen Tag später einem Haftrichter vorgeführt. Dieser habe wegen den massiven Vorwürfe Seitens der deutschen Behörden eine Freilassung gegen Kaution abgelehnt, berichten verschiedene Medien übereinstimmend. Breyer muss nun also bis zum 21. August in Haft auf eine gerichtliche Anhörung warten, die über eine Auslieferung nach Deutschland entscheiden wird. Ein entsprechendes Ersuchen der deutschen Behörden sei einem Bericht der „New York Times“ zufolge gestellt worden.

Breyer selbst dementiert die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. „Er bestreitet jegliche Verwicklungen in Kriegsverbrechen“, sagte sein Anwalt Dennis Boyle laut „Spiegel Online“. Sein Mandant sei außerdem „nie ein Nazi“, sondern vielmehr „genauso ein Opfer der Nazis wie jeder andere“ gewesen. „Er war kein Feiwilliger in der SS, er wollte nicht in der SS sein, er desertierte von der SS“, betonte Boyle weiter. Breyers eigenen Angaben nach habe er nur in der Nähe von Ausschwitzt in der Feldartillerie der SS gedient, von der er später desertiert sei.

Der Vorsitzende der gegen Antisemitismus kämpfenden Anti-Defamations League, Abraham Fox, begrüßte derweil die langjährigen Bemühungen der Behörden. In einem Statement  hofft er auf — späte — Gerechtigkeit für die Opfer des Holocausts, den Fox einst selbst überlebt hat.

+++ UPDATE! +++ Der KZ-Wärter Johann Breyer ist einen Tag vor der endgültigen Entscheidung über den Auslieferungsantrag in den Vereinigten Staaten gestorben, meldet ZEIT ONLINE. Nach Angaben seines Anwalts gegenüber der Nachrichtenagentur AP sei er in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Philadelphia verstorben. Damit wird es zu keiner Anklage mehr kommen.

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