Ruhe um Schwandorfs Neonazi-Szene

rechte-Szene
Neonazi-Aufmarsch in Schwandorf 2012: Im Moment ist es ruhig um die Szene…

Trotz einiger Veränderungen in der lokalen rechtsextremen Szene liegt diese in Schwandorf derzeit weitestgehend brach. Ein Überblick über die aktuelle Situation in der Region.

Von Johannes Hartl

Die Website des rechtsextremen „Nationalen Bündnis Oberpfalz“ (NBO) besteht weitestgehend aus übernommenen Einträgen von der Homepage des Neonazi-Netzwerks „Freien Netz Süd“ (FNS), die letzten braunen Verteilaktionen sind ewig her – und der letzte Neonazi-Aufmarsch in Schwandorf hat vor bald zwei Jahren stattgefunden. Um die lokale Neonazi-Szene ist es also offenbar ruhig geworden. Dennoch haben in der Vergangenheit einige Veränderungen in der bayerischen Szene stattgefunden, die zum Teil auch Schwandorf betreffen.

Neonazi-Shop verlässt Schwandorf 

Bereits Ende November 2013 hat der Neonazi-Versand „Final Resistance“ die Eigentümer gewechselt. Der 2010 von Daniel Weigl aus Wackersdorf gegründete Online-Handel wird nun von den Neonazis Matthias Fischer (Fürth) und Tony Gentsch (Oberprex) betrieben, die beide als die Führungsfiguren des FNS gelten. Mit dem Eigentümerwechsel verbunden war auch der Umzug des Versands: Von seinem bisherigen Sitz in Wackersdorf ist der rechte Shop nach Oberprex im Landkreis Hof verlegt worden, wo das FNS seit drei Jahren über die Immobilie „Oberprex 47“ verfügt. Eingetragen ist der Online-Shop seither beim Finanzamt in Hof.

Mit dem Umzug von „Final-Resistance“ verlässt ein rechter Versand Schwandorf, der bislang innerhalb der bayerischen Neonazi-Szene eine bedeutende Rolle gespielt hat. In der Vergangenheit wurde dort unter anderem Propagandamaterial für das bundesweit vernetzte „Freies Netz Süd“ und dessen Aktionen vertrieben. So verkaufte der Online-Shop im Vorfeld der 1.-Mai-Demonstrationen des Neonazi-Netzwerks beispielsweise die dazugehörigen Kampagnen-Shirts, die sich bei den Motiven an Vorbilder aus dem Nationalsozialismus anlehnten. Neben Propagandamaterial fanden sich im Sortiment des Webhandels auch gewalt- („Fight Club – 100 % Violence“) und NS-verherrlichende („I love NS“) Motive sowie RechtsRock-CDs von einschlägig bekannten Szene-Bands wie „Stahlgewitter“ oder aber „Lunikoff & der Baron“.

Der Online-Versand verfügt über eine gute Vernetzung in der bayerischen- und auch bundesweiten Neonazi-Szene, auf mehreren rechtsextremen Websites ist der Versand mit einem Banner verlinkt. Vor dem Inhaberwechsel hat Weigl zudem auch außerhalb Bayerns für den Versand geworben. Unter anderem war der Shop 2013 und 2012 mit einem eigenen Stand beim dem Rechtsrock-Konzert „Rock für Deutschland“ im thüringischen Gera präsent.

Ruhe um Schwandorfs Neonazis

Während Weigl bis Mitte 2013 noch auf Neonazi-Veranstaltungen in- und außerhalb Bayerns anzutreffen war, ist es um die Schwandorfer Neonazi-Szene und um deren Führungskader in der letzten Zeit tatsächlich ruhig geworden. Öffentliche Aktionen blieben nahezu vollständig aus.

Zuletzt war Daniel Weigl in den Schlagzeilen, als die Polizei Mitte Juli mit einer Großrazzia gegen Angehörige des „Freien Netzes Süd“ vorgegangen ist und in diesem Zusammenhang auch sein Wohnort in Wackersdorf durchsucht worden ist. Bei der Aktion mit rund 700 Beamten stand auch der damals noch in Weigls Eigentum befindliche „Final-Resistance“-Versand im Fokus der Maßnahmen, mit der das bayerische Innenministerium Beweismittel für ein mögliches Verbotsverfahren gegen den Kameradschaftsdachverband sammeln wollte.

War Weigl vor der Razzia noch am jährlichen 1.-Mai-Aufmarsch des „Freien Netzes Süd“ in Würzburg und am 6. Juli mit dem „Final-Resistance“-Versand beim „Rock für Deutschland“ zugegen, wurde es im Anschluss an die Razzia relativ still um den Neonazi-Kader. Nach den Durchsuchungen war Weigl, der den Behörden als Kopf der rechtsextremen Kameradschaft „Widerstand Schwandorf“ und als einer der Führungsfiguren des FNS gilt, auf keinen öffentlichen Neonazi-Events mehr präsent. Selbst auf für die Szene wichtigen Veranstaltungen wie dem ebenfalls jährlich am zweiten November-Wochenende stattfindenden „Heldengedenken“ im oberfränkischen Wunsiedel fehlte der mehrfach vorbestrafte Neonazi.

Lange vor den letzten öffentlichen Auftritten Weigls war es allerdings um die Schwandorfer Neonazi-Szene ruhig geworden: Die letzte Aktion fand im Jahr 2012 statt, als ein brauner Aufmarsch mit 45 FNS-Kadern Ende März 2012 in der Stadt durchgeführt wurde. Davon abgesehen fiel die lokale Szene noch durch eine Provokation auf: Im August 2012 plakatierten sie in Schwandorf Flyer mit der Aufschrift „Solidarität mit Axel Möller“ und brachten eventuell ein Banner mit dem Slogan „Rudolf Hess – Mord verjährt nie“ an der Adenauer-Brücke an.

Zumindest auf dem Papier besteht außerdem die „Bürgerinitiative Soziale Alternative Oberpfalz“ noch, die im Mai 2012 nach dem Vorbild der FNS-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ (BiSF) gegründet worden ist und deren Vorstand aus Daniel Weigl und dem FNS-Aktivisten Robin Siener (Raum Cham) besteht. Mit einem vermeintlich harmlos klingenden Namen wollte die selbsternannte „Bürgerinitiative“ Zustimmung bei Bürgern erlangen. Von einer Eintragung ins Vereinsregister abgesehen konnte sie jedoch keine Erfolge für sich verbuchen, in der letzten Zeit war es um die Tarnliste still geworden. Anders als die gescheiterte BiSF sah die braune „Bürgerinitiative“ offenbar auch von einem Antritt zur Kommunalwahl im März 2014 ab, Unterschriftensammlungen in der Oberpfalz sind jedenfalls nicht bekannt.

Auch auf der Homepage des „Nationalen Bündnis Oberpfalz“, das aus den beiden Kameradschafts-Websites „Widerstand Schwandorf“ und „Widerstand Regensburg-Cham“ hervorgegangen ist, finden sich ferner kaum mehr eigene Berichte. Zumeist übernimmt die Seite Meldungen des FNS, nur sehr selten werden eigene Texte zu Vorgängen in der Oberpfalz publiziert. Sogar sonst als großer propagandistischer Erfolg verkaufte kleine Flugblattverteilungen von Neonazis hat es rund um Schwandorf in den letzten Monaten fast nicht mehr gegeben.

Szene liegt brach – dennoch kein Grund zur Entwarnung

Damit liegt die rechtsextreme Szene in der Region derzeit weitestgehend brach. Durch fehlende öffentliche Aktionen wie Demonstrationen oder aber Flugblattverteilungen haben die Neonazis nahezu vollständig an Öffentlichkeitswirkung verloren. Zudem dürften sie mit ihrer „Bürgerinitiative Soziale Alternative Oberpfalz“ zu großen Teilen gescheitert sein und an Wahrnehmung verloren haben, weil sie bei den Kommunalwahlen in der Oberpfalz im März dieses Jahres voraussichtlich in überhaupt keinem Ort auf dem Wahlzettel stehen werden. Die Schwandorfer Szene hat sich somit aufgrund mangelnder Präsenz selbst demontiert.

Über den Grund für diese ausbleibenden Aktivitäten kann im Moment nur gemutmaßt werden. Dass dies aber etwas mit den Repressionen der Behörden und dem eventuellen Aufbau von Ersatzstrukturen im Falle eines Verbots des FNS zu tun hat, gilt als nicht unwahrscheinlich. Aus diesem Grund kann – trotz fehlender Aktivitäten – keine vollständige Entwarnung gegeben werden.

 

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