Erschreckendes rassistisches Klima!

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Rassismus tötet | © Johannes Hartl

Bundesweit herrscht derzeit ein rassistisches Klima gegen Flüchtlinge, das uns in höchstem Maße besorgen sollte. Es ist endlich an der Zeit, sich mit den schutzsuchenden Menschen zu solidarisieren – und dem rassistischen Bürgermob effektiv etwas entgegenzustellen. Ein Kommentar.

Von Johannes Hartl

Es waren schockierende Szenen, die sich kürzlich in Berlin-Hellersdorf abgespielt haben: Als einige Flüchtlinge aus Krisen-Ländern wie Syrien ihre neue Unterkunft in dem Stadtteil beziehen wollten, wurden sie von einem Bürgermob mit Hass und rassistischen Parolen empfangen. Einsatzkräfte der Polizei mussten die Menschen vor den Anwohnern schützen und später sogar zu ihrer Sicherheit abschirmen. Zeitgleich gibt ein großer Glatzkopf im rosa T-Shirt dem TV-Sender RBB ein wirres, hasserfülltes Interview – und zeigt wenig später ganz ungeniert unter den Augen von etlichen anwesenden Journalisten und Polizisten den Hitlergruß. Wenig überraschend also, dass manche der teilweise stark traumatisierten Flüchtlinge aus Panik noch in der selben Nacht ihre Unterkunft wieder verlassen haben.

Diesen Szenen vorausgegangen ist die monatelange und organisierte Hetze der „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“, die laut Behörden von Neonazis beeinflusst sein soll. Doch Politiker wie der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) machen es sich zu leicht, wenn sie – wie zuletzt in einer Sendung des RBB geschehen – die Schuld an dieser rassistischen Stimmung alleine Neonazis in die Schuhe schieben und das Bild von naiven, von rechten Demagogen beeinflussten Anwohnern zeichnen. Mit der Realität hat dies nichts gemein.

Es sind keineswegs nur Neonazis, die – wenig überraschend – rassistische Parolen schüren. In Berlin-Hellersdorf erfolgt dies auch ganz maßgeblich durch die Anwohner, die ihren rassistischen Einstellungen freien Lauf lassen. Diese Personen sind nicht von Neonazis beeinflusst worden – nein, diese Personen sind schlicht und einfach richtig ekelhafte Rassisten. Hier entlädt sich eben jenes rassistische Potenzial, das Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung seit Jahren nachweisen und das von der Politik doch immer wieder ignoriert wird. In Berlin zeigt sich einmal mehr überdeutlich: Deutschland hat ein riesen Rassismus-Problem!

Dagegen vorzugehen – das ist die Aufgabe der Zivilgesellschaft und der Politik. Während in Berlin die Zivilgesellschaft – die selbstverständlich auch aus manchen, leider aber zu wenig Anwohnern der Flüchtlingsunterkunft besteht – dieser Aufgabe nachkommt, schläft die Politik weiter beharrlich und hetzt in manchen Fällen diese Stimmung sogar noch an. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hetzt beispielsweise alljährlich gegen einen vermeintlichen Flüchtlingsansturm, der für ihn gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes zu sein scheint, mit der Realität aber vergleichsweise wenig zu tun hat. Tatsächlich nimmt Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern nämlich wenig schutzsuchende Menschen auf und stiehlt sich stattdessen schön aus der Verantwortung.

Was im Moment in Berlin an Rassismus zu beobachten ist, ist überdies nicht nur ein Problem, das sich alleine in Berlin beobachten lässt. Bundesweit machen Bürger immer wieder mit Ressentiments gegen Flüchtlingsunterkünfte mobil und begegnen Asylbewerbern mit Rassismus und Diskriminierung. Die Szenen, die sich aktuell in Berlin abspielen, können sich auch überall anders abspielen – wie aktuell etwa auch in einem überwiegend von Sinti-und-Roma bewohnten Haus in Duisburg deutlich wird, gegen das Anwohner und auch Medien hetzen. Wenn sich Innenminister Hans-Peter Friedrich deshalb jetzt Sorgen um das Image von Deutschland macht, zeigt das nur seine Menschenverachtung. Friedrich sollte sich keine Sorgen um das Image seines Landes, sondern um die Flüchtlinge machen. Das alleine ist wichtig!

Das aktuelle rassistische Klima gegen schutzsuchende Menschen in diesem Land ist in höchstem Maße besorgniserregend. Wir können nur innständig darum beten, nicht erleben zu müssen, wie es sich in Gewalt entlädt. Deshalb ist es an der Zeit, sich dringend mit Flüchtlingen zu solidarisieren, ihnen unterstützend beizustehen – und vor allem Rassismus effektiv zu bekämpfen! Die aktive Zivilgesellschaft ist gefragt, dem plumpen Rassismus etwas entgegenzusetzen. Und die Politik muss endlich aufhören, anzustiften und somit als Brandstifter zu fingieren. Sonst könnte dieses Land bald wirklich ein großes Problem haben…

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Ein Gedanke zu “Erschreckendes rassistisches Klima!

  1. Formel1hero schreibt:

    Servus,
    das ist wie in der Überschrift bereits erwähnt ein enormes und extrem erschreckendes Problem. Hierfür müssen wirklich dringend Lösungen gefunden werden, um dieser schockierenden Entwicklung gegenzusteuern. Man muss hier gezielt dafür Sorgen, dass v. a. Politiker hier mit gutem Beispiel vorangehen und sich klar gegen solche idiotischen und irrsinnigen rassistischen Verhaltensweisen äußern. So etwas darf in keinem Fall geduldet werden, dass Schutzsuchende und Hilflose in solch einer perfiden und geschmacklosen Art und Weise gezwungen werden sollen, hier gar nicht erst heimisch zu werden bzw. Ihnen kein Asyl zu gewähren.
    Es sollte hier jeder mit gutem Beispiel vorangehen und sich seiner Vorbildfunktion (nicht nur Politiker) bewusst sein.

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