NSU-Verflechtungen reichen bis in die Stadt Regensburg

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Die drei NSU-Terroristen | © BKA

Ermittlungspannen und geschredderte Akten, das wird im Zusammenhang mit den Morden des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in die Geschichte eingehen. Und längst sind noch nicht alle Zusammenhänge aufgedeckt. Auch in die Oberpfalz gibt es neue Spuren. Laut einer Kontaktliste, die dem Wochenblatt vorliegt, gab es auch eine Anlaufstelle in Regensburg.

Von Ursula Hildebrand, Regensburger Wochenblatt

Bekannt ist, dass der enttarnte V-Mann des Verfassungsschutzes in Thüringen, Tino Brandt, der in den Neunzigern in Regensburg und ganz Bayern für die rechtsextreme Partei „Nationaler Block“ aktiv war, Kontakte zum NSU hatte. Das Wochenblatt hatte hier bereits im Januar dieses Jahres von den Kontakten berichtet. Damals hatte die Grünen-Landtagsabgeordnete Maria Scharfenberg entsprechende Anfragen an die bayerische Staatsregierung gestellt. „Ich kann das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz nur auffordern, noch vorhandene Dokumente, die mit Tino Brandt und anderen Personen aus dem Umfeld des NSU, der für die beispiellose Mordserie in ganz Deutschland verantwortlich gemacht wird, möglichst schnell und umfassend auszuwerten“, meinte sie damals. Damit wird es allerdings schwierig, denn die Aktenlage ist mehr als mau. Neues gibt es dazu auch aktuell aus dem Innenminister nicht. „Wie aus der Berichterstattung der Medien bereits bekannt ist, hat Uwe Mundlos, einer der mutmaßlichen Täter des NSU, im Jahr 1994 mit weiteren Personen aus der rechtsextremistischen Szene an einer Grillfeier in Straubing teilgenommen. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse liegen dem GBA beziehungsweise dem Bundeskriminalamt (BKA) vor, weshalb von hier keine Auskunft erteilt werden kann“, teilt das Innenministerium auf Anfrage mit.

Auch der weiter in der Liste genannte Kontakt, den wir aus Sicherheitsgründen nicht namentlich nennen, sei bekannt. Der Generalbundesanwalt lässt dazu mitteilen: „Einzelheiten zu diesen Ermittlungen können mit Blick auf eine mögliche Gefährdung des Untersuchungszwecks nicht erteilt werden. In der Region Regensburg fanden bislang keine gegen Beschuldigte im NSU-Verfahren gerichtete Durchsuchungen oder Festnahmen statt.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Franz Schindler, der dem Untersuchungsausschuss zu den NSU-Ermittlungen vorsitzt, kämpft momentan noch mit „bruchstückhaft“ vorhandenen Akten. „Wir warten noch auf mehr!“ Es werde auch noch ein paar Monate dauern, bis gesicherte Erkenntnisse über Kontakte des NSU in die Oberpfalz vorliegen. „Ich kann nichts ausschließen“, meint Schindler. Noch ist längst nicht geklärt, wie weit die NSU-Verflechtungen reichen!

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