Viel Lob für Regensburger Wirte-Initiative

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Das Bayerische Bündnis für Toleranz war in Regensburg zu Gast und würdigte die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ | © Hartl

Prominenter Besuch drängte sich am Freitag, 13. Juli, im Café Picasso. Anlässlich des siebenjährigen Bestehens des „Bayerischen Bündnisses für Toleranz“ sollte die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ gewürdigt werden.

Von Johannes Hartl

Ausgesucht hatte man sich für diesen Zweck das Regensburger Café Picasso. Jenes Lokal, das im Jahre 2010 Ziel eines neonazistischen Angriffs wurde, nachdem ein Barkeeper zuvor eine Frau und ihr Kind gegen einen rassistischen Angriff in Schutz genommen hatte. Kurz darauf kehrten die Neonazis zurück, verwüsteten das Cafe – und griffen den Barkeeper an, der sich verletzt in einen benachbarten Imbiss retten konnte. Dort erhielt er sofort Schutz, der Inhaber verriegelte die Türe und verhinderte somit ein Eindringen der Neonazis, die danach noch einige Zeit wüteten. Infolge dieses Ereignisses gründete sich in Regensburg die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“.

Beeindruckt von dieser Zivilcourage kam das „Bayerische Bündnis für Toleranz“ am Freitag nach Regensburg. Neben Helga Hanusa und Ludwig Simek, die für die Regensburger Initiative verantwortlich zeichnen, waren auch Aaron Buck von der Israelitischen Kultusgemeinde (in Vertretung für Charlotte Knobloch), Günter Lommer, Präsident des Bayerischen Landessportverbands, und Sion Israel, der Besitzer des Lokals, sowie Oberbürgermeister Hans Schaidinger und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der zudem Sprecher des Bündnisses ist, erschienen.

Kein Platz für Rassismus

Bedford-Strohm lobte die Weltoffenheit Bayerns, die sich auch in der Breite des Bündnisses ausdrücke. Insgesamt gehören dem Bündnis für Toleranz nämlich 36 Organisationen an. „Das Bündnis macht als öffentliches Zeichen sehr deutlich, dass rechtsradikales Gedankengut und Rassismus etwas sind, was in unserer Gesellschaft keinen Platz hat“, so Bedford-Strohm. „Keine Bedienung für Nazis“ sei dabei ein „eindrucksvolles Zeichen“ im Widerstand gegen Rassismus und rechtsradikale Aktivitäten aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Immer wieder werde mittlerweile von Stammtischparolen gesprochen, doch zumindest im Bezug auf die Regensburger Initiative müsse dieses Bild korrigiert werden: „Der Stammtisch macht hier den Einsatz für die demokratische Gesellsacht aus.“ In Regensburg seien Wirtshäuser und Kneipen die Orte, „wo der Geist der Menschenwürde und Toleranz den Ton angeben“, so der Landesbischof. Aus diesem Grund passe die Initiative zum Bündnis. „Es macht Mut, dass es nicht nur Erscheinungen von Rechtsradikalismus und Intoleranz gibt, sondern große, breite Bewegung dagegen!“

OB Schaidinger: „Bündis aus der Zivilgesellschaft“

Ähnlich äußerte sich auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU). Darüber, dass das Bündnis in Regensburg tagt, zeigte sich Schaidinger erfreut, wenngleich der Anlass, der dazu geführt hat, ganz und gar nicht erfreulich gewesen sei. „Die, die den Anlass dazu gegeben haben, hätten sich nicht träumen lassen – das ist das Positive – was für eine Bewegung daraus entsteht!“ Die anfängliche Zurückhaltung der Stadt, als die Idee zur Initiative aufkam, erklärt er damit, dass sich vielleicht so mancher „bemüßigt“ gefühlt hätte, bei der Initiative mitmachen zu müssen. Dass sich dann aus der Zivilgesellschaft heraus aber ein derartiges Bündnis entwickelt habe, finde er durchaus „bemerkenswert“. „Die Stadtgesellschaft ist von sich heraus in der Lage, sich gegen Intoleranz zu wehren“, sagt der OB.

Sion Israel: „Wie nach einem Tsunami-Angriff“

Anschließend sprach Aaron Buck, der Pressesprecher der Israelitischen Kultusgemeinde, der Charlotte Knobloch vertrat. Knobloch selbst sei von der Initiative „total begeistert“ gewesen, berichtete er. Sie sei der Meinung, dass „so ein tolles Zeichen der Zivilcourage honoriert“ werden müsse. Buck selbst sagte, dass man in „Gaststätten zeigen kann, dass das Miteinander funktioniert.Die Initiative ist etwas Besonders und hat tiefen Dank und große Anerkennung verdient“. Sion Israel, der Besitzer des „Picasso“, erzählte von dem Tag, als sein Café und seine Mitarbeit attackiert wurden. „Wie nach einem Tsunami-Angriff“ habe sein Lokal ausgehen, so etwas hat Israel zuvor noch nie erlebt. Nach dem Angriff war ihm klar, dass etwas unternommen werden müsse. Durch die Mitwirkung von Helga Hanusa sei dann eine entsprechende Idee zustande gekommen. Heute ist Israel froh, dass die Initiative derart „breite Wellen geschlagen hat“.

Für die Frau von Sion Israel war nach dem Vorfall sofort klar, dass Nazis bei ihnen Hausverbot haben sollen, erklärte Helga Hanusa. Geprägt war dieser Gedanke vorerst aber von der Angst, dann noch mehr in den Blickpunkt der rechtsextremen Szene zu geraten. Öffentlichkeit sollte hergestellt, weitere Gaststätten ins Boot geholt werden. Ludwig Simek informierte, dass eine neue Homepage online gegangen ist. Die Broschüre soll überarbeitet und neu herausgegeben werden. In immer mehr Städten finden sich Nachahmer für die Initiative, zum Beispiel in Landshut und Schwandorf. Sogar aus Frankreich habe jemanden gegeben, der die Aufkleber übersetzt hat, was Bedford-Strohm dazu veranlasste, von einer „weltweiten Bewegung“ zu sprechen.

Arbeitsschwerpunkt 2012 bei den Sportvereinen

Der Arbeitsschwerpunkt in diesem Jahr liegt bei den Sportvereinen liegt. Immer wieder werde, insbesondere in den neuen Bundesländern, von Seiten der Neonazis versucht, Vereine zu unterwandern. „Wir sind dagegen gewappnet“, so Günter Lommer. So wird zum Beispiel bei allen Amateurspielen in Bayern gezeigt, dass der Sport gegen Rechtsextremismus ist. „Wir werden das auf allen Sportplätzen tun und in den größeren Stadion auch mit Durchsage!“ Es werde deutlich gemacht, dass sich der Sport gegen derartige Tendenzen wehrt, so Lommer abschließend.

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