Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt" im JUZ Hängematte in Sulzbach-Rosenberg

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© alle Bilder: Hartl

Den ganzen Februar über zeigt das Jugendzentrum Hängematte in Sulzbach-Rosenberg die sehenswerte Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“. Schwandorf gegen Neonazis hat die Ausstellung vorab besucht und mit der Leiterin des Jugendzentrums, Dagmar Breith, gesprochen.

Von Johannes Hartl

Auf die Idee, die Ausstellung zu zeigen, kam die lokale Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung, kurz nachdem die rechtsextremistische Mordserie der Zwickauer Terrorzelle öffentlich bekannt geworden war. Einer der Erstunterzeichner der Plattform hätte die Ausstellung entdeckt, wie Dagmar Breith, die Leiterin des Jugendzentrums (JUZ), im Gespräch mit Schwandorf gegen Neonazis erklärte. Daraufhin habe man im JUZ angefragt, ob es die Ausstellung zeigen könnte – und das war für Dagmar Breith dann eine eindeutige Sache: „Klar, machen wir doch!“ Ende Dezember wurde die Idee dann endgültig beschlossen.

Im Gespräch mit Schwandorf gegen Neonazis schilderte Dagmar Breith, was sie persönlich mit dem Zeigen der Ausstellung erreichen will. „In erster Linie wollen wir logischerweise das Bewusstsein dafür schärfen, wo der Hund wirklich begraben liegt“, so Breith. Denn: „Rechte Morde gehen leider immer wieder unter“. Sie selbst sei von der Ausstellung sehr ergriffen gewesen. „Ich konnte erst mal eine halbe Stunde gar nichts mehr sagen“, erzählte Breith.

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Insgesamt besteht die Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“ aus 169 Schautafeln, auf denen die 156 Todesopfer rechter Gewalt in dem Zeitraum von 1990 – 2010 dokumentiert und portraitiert werden. Erstellt wurde die Ausstellung von der Künstlerin Rebecca Forner, in Kooperation mit den Journalisten Frank Jansen, Toralf Staud, Heike Kleffner und Johannes Radke, die die entsprechenden Fälle für den „Tagesspiegel“ und „Die Zeit“ recherchiert hatten. Offiziell erkennt die Bundesregierung nur 47 Todesopfer rechter Gewalt zwischen 1990 – 2010 an, obwohl die Recherchen beider Medien andere Zahlen belegen.

Am Anfang und am Ende der offiziellen Schautafeln befinden sich jeweils mehrere leere Tafeln, die „symbolisch“ für die Opfer rechter Gewalt vor dem Jahr 1990 und nach dem Jahr 2010 stehen. Zudem finden sich am Ende der Ausstellung drei Spiegel mit den Aufschriften „Zuschauer?“, „Opfer?“ und „Täter?“. Dadurch sollen die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken angeregt werden. Zusätzlich wurden zwei grüne Plakate mit den Namen der Opfer der rechtsextremistischen Mordserie angebracht.

Und Dagmar Breith hofft, dass die Ausstellung auf breites, öffentliches Interesse stoßen wird. „Und zwar nicht nur bei Leuten, die sich ohnehin damit beschäftigen, sondern bei allen Bürgern“, so Breith. Auch wolle man Leute ansprechen, die bisher dachten, dass es mit dem Rechtsextremismus in Deutschland gar nicht so schlimm sei, wie die Leiterin der Hängematte weiterhin erklärte. Finanziert wurde die Ausstellung übrigens vom dem Bürgermeister der Stadt Sulzbach-Rosenberg.

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Das, was dann in der Ausstellung selbst zu sehen ist, ist eindringlich und ergreifend zugleich. Nüchtern und sachlich wird auf den Tafeln in Deutsch und Englisch geschildert, weswegen die Opfer von Rechten angegriffen und tödlich verletzt wurden – teilweise sind sogar Fotos von den Opfern mit abgebildet. Darunter finden sich auch einige Fälle aus Bayern, die sich unter anderem in Amberg, Bad Reichenhall oder Memmingen ereignet haben. Und sogar Kinder wurden Opfer von Neonazis – darunter 14- und 10-jährige. Nebenher besteht auch noch die Möglichkeit, Zeitungsartikel zu den Rechten Übergriffen zu lesen und sich Redebeiträge zum Thema auf MP3-Playern anzuhören.

Die Ausstellung kann ab dem 07.02 besichtigt werden, die offizielle Einweihung findet am 08.02 durch Redebeiträge des Ersten Bürgermeisters und Dr. Peter Lehner von der Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung zum Thema „Gewalt von Rechts“ statt. Besichtig kann die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten des JUZ (Dienstag – Donnerstag: 15 – 22 Uhr und Freitag: 17 – 24 Uhr) werden. Für Schulklassen und Vereine besteht die Möglichkeit, telefonisch extra Termine zu vereinbaren, unter der Nummer 09661 811769. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 29.02.

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