Untergetaucht

Kundgebung an der Gerhard Ittner teilnahm :: © Rüdiger Löster
Neonazi-Kundgebung an der der Untergetauchte Gerhard Ittner teilnahm // © Rüdiger Löster

38 Personen mit rechtsextremistischen Hintergrund werden in Bayern gesucht, sie sind untergetaucht. Bundesweit handelt es sich um 159 untergetauchte Rechtsextremisten. Dies erklärte das Bayerische Innenministerium auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen.

Von Rüdiger Löster, Endstation Rechts. Bayern

Ein großer Teil dieser in Bayern gesuchten Rechtsextremisten werde wegen eines rechtsextremistisch motivierten Delikts gesucht, sieben der untergetauchten Personen gelten als Gewalttäter. Mit der Anzahl von 38 der lt. Bundeskriminalamt bundesweit insgesamt 159 gesuchten Rechtsextremisten stellt Bayern einen erschreckend hohen Anteil. Sepp Dürr (Bündnis 90/Die Grünen) hält diese hohe Zahl für „ausgesprochen alarmierend“. Damit sei die Gefahr durch rechtsextreme Gewalttäter größer als von der bayerischen Staatsregierung angenommen. So werde bei vielen Straftaten oder Waffenfunden im Freistaat ein rechtsextremer Hintergrund verkannt. Die Befürchtungen seien groß, dass noch mehr Morde und Gewalttaten passieren könnten.

Bei einem der untergetauchten Nazis handelt es sich um Gerhard Ittner (siehe Foto). Er stand 2005 in Nürnberg vor Gericht und tauchte kurz vor der Urteilsverkündung unter. Seitdem ist er verschwunden. Ittner hatte enge Kontakte zum Thüringer Heimatschutz, dem auch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehörten. So war er 2002 als Redner bei einer Veranstaltung im „Braunen Haus“ in Jena. Ittner, der auch zeitweise Mitarbeiter der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ des NPD-Landesvorsitzenden Ollert war, stand in Nürnberg wegen Volksverhetzung vor Gericht. Einer Staatsanwältin drohte Ittner die Todesstrafe wegen Hochverrats an, sobald er und seine Gesinnungsfreunde den „Zusammenbruch des BRD-Regimes“ erreicht hätten.

Innenminister Herrmann wies inzwischen jede Kritik an den bayerischen Sicherheitsbehörden zurück und bezeichnete sie als „absolut scheinheilig, absurd und überflüssig“.

Gleichzeitig stuft der bayerische Verfassungsschutz die im Großraum Nürnberg auffallend zunehmenden Gewalttaten gegen Menschen, sie sich antifaschistisch engagieren, als „Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der rechts- und linksextremistischen Szene“ ein. Damit werden die Opfer der Anschläge wie der langjährige Sprecher des Bürgerforums Gräfenberg oder die Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus diskreditiert und die Anschläge der Nazis nicht als das wahrgenommen, was sie tatsächlich sind: Anschläge gegen Demokraten, gegen Menschen, die sich gerade für unsere Verfassung, für Demokratie und Menschenrechte engagieren.

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