Neu gegründete JN will vor Schulen ziehen – wie Lehrer auf rechte Propaganda reagieren sollten?

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Der Leiter des »JN-Stützpunkts Franken/Oberpfalz«, Sven Diem, bei einer Neonazi-Kundgebung // © Hartl

Die rechtsextreme »Division Franken« gab auf ihrer Internetseite kürzlich die Gründung des »JN-Stützpunkts Franken/Oberpfalz« (Junge Nationaldemokraten, Jugendorganisation der NPD) bekannt und kündigte zugleich »flächendeckende politische Arbeit« an. Auch Schulen sollen dabei wieder in den Fokus der Neonazis rücken. Hier lesen Sie, wie Schulen möglicher rechter Propaganda begegnen können.

Von Johannes Hartl

Gründung eines neuen »JN-Stützpunkts«

Zukünftig gibt es für die rechtsextreme Jugend in Franken und der Oberpfalz wohl wieder einen eigenen Zusammenschluss: bei einem Kongress in Hirschaid (Franken) wurde der »JN-Stützpunkt Franken/Oberpfalz« in Anwesenheit vieler bekannter Neonazis gegründet. So zählte unter anderem der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel und der Landesvorsitzende der NPD-Bayern, Ralf Ollert, zu den Gästen des Kongresses, der ursprünglich an einem Landshuter Gymnasium geplant war.

Bei dem Kongress, der wohl in einer fränkischen Gaststätte stattgefunden hat, wurde dann auch die Gründung eines sogenannten »JN-Stützpunkts« für Franken und die Oberpfalz beschlossen. An der Gründung des »JN-Stützpunkts«, der fortan unter der Leitung von Sven Diem stehen soll, waren auch die freien Kameradschaften »Division Franken«, das »Aktionsbündnis Nordfranken«, der »Nationale Widerstand Amberg« und die »Freien Nationalisten Weißenburg« beteiligt, wie Endstation Rechts Bayern berichtete.

Diem soll dann unter anderem »flächendeckende politische Arbeit« angekündigt haben und damit gedroht haben, vor Schulen aufzutauchen. »Wenn wir schon nicht in die Schule dürfen, werden wir vor den Schulen auftauchen und so unser Anliegen direkt an die Schüler herantragen«, soll Diem wörtlich gesagt haben. Inwieweit die Rechtsextremisten dies in die Tat umsetzen werden und inwieweit die Region davon betroffen sein wird, ist derzeit weitestgehend unklar. Vorsicht dürfte allerdings geboten sein!

Was können Schulen tun, wenn Neonazis an oder vor der Schule auftauchen?

Wenn Neonazis aber erst einmal vor den Schule stehen, müssen die Lehrkräfte handeln und dürfen das Problem nicht ignorieren. Wie sich das Lehrpersonal verhalten soll, wenn Rechtsextreme ihre Materialien an Schüler weitergeben, dazu formuliert »Das Buch gegen Nazis« wertvolle Ratschläge.

Für den Fall, dass die Rechtsextremisten direkt an die Schule kommen und dort ihre Propaganda verbreiten, rät das »Buch gegen Nazis« zunächst einmal, vom Hausrecht gebrauch zu machen. »Aber natürlich kann eine Schule die Verteilung auf ihrem Gelände untersagen. Um ihr Hausrecht durchzusetzen und die Verteiler der CDs vom Schuldgelände zu verweisen, können Lehrer auch die Polizei zur Hilfe holen«, erklärt Thomas Weber vom Verein »Miteinander« in Sachsen-Anhalt in dem Sachbuch.

Eine andere Situation ergibt sich jedoch, wenn die Rechten ihr Material vor der Schule verteilen. »Eine Verteilaktion außerhalb des Schulgeländes ist jedoch zulässig ? sofern keine weiteren Straftatbestände vorliegen«, so Weber in dem Artikel. In derartigen Fällen ist es dann besonders wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. »In jedem Fall empfiehlt es sich, die Inhalte der Liedtexte und Artikel offensiv aufzugreifen und fächerübergreifend zu thematisieren«, wie nahelegt wird. Dabei ist es von enormer Bedeutung, aufzuzeigen, womit die Rechtsextremisten argumentieren und im Anschluss ihre inhaltlich oft simpel gestrickte Argumentation zu entlarven. »Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Texten müssen einerseits das Gesellschaftsbild der Neonazis und andererseits die weitreichenden Folgen rechtsextremer „Lösungs“angebote herausgearbeitet werden«, rät Weber in dem Text.

Zudem sei es wichtig, dass sich »Lehrerkollegium, Schulleitung und nach Möglichkeit auch die Schülervertretung untereinander absprechen – und ihr Vorgehen gegenüber der Schülerschaft transparent machen.« Weiterhin schildert Thomas Weber in dem »Buch gegen Nazis«: »Dass Jugendliche mit rechtsextremistischer Musik in Berührung kommen, wird sich nie verhindern lassen – nicht zuletzt über Tauschbörsen im Internet ist fast alles fast immer verfügbar. Umso wichtiger ist die inhaltliche Reaktion darauf.«

Für Lehrkräfte, die weitere Informationen zu diesem Thema benötigen sei zunächst einmal »Das Buch gegen Nazis« empfohlen, dass für einen Preis von 12.95 Euro relativ kostengünstig erworben werden kann und darüber hinaus auch noch viele andere verwertbare Infos zum Thema Rechtsextremismus liefert.

Präventives Handeln ist ebenso wichtig

Doch es darf auch schon lange bevor Neonazis Propaganda-Material an Schulen verteilen gehandelt werden. Denn besonders der präventiven Aufklärung kommt ein immens hoher Stellenwert bei: haben die Schüler nämlich bereits gelernt, was sich hinter den Parolen der Rechten verbirgt, fallen sie nicht mehr so leicht darauf hinein und lehnen vielleicht schon von vorneherein die Flyer oder Musik der Neonazis ab.

Aktionstage wie der im Dezember 2011 an der Wackersdorfer Wirtschaftsschule eigenen sich dafür mitunter hervorragend. Der Aktionstag beschäftigte sich unter anderem damit, wie man Neonazis erkennen kann und welche Codes sie benutzen.

Günter-Kohl :: © Ursula Hildebrand

Lehrer Günter Kohl klärt fachkundig über Rechtsextremismus auf, hier in der Wirtschaftsschule in Wackersdorf // © Ursula Hildebrand

Durch die beiden fachkundigen Referenten Günter Kohl, Lehrer am beruflichen Schulzentrum und Mitglied im Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus, und Alexandra Schichtl, Lehrerin an der FOS/BOS-Schwandorf, erfuhren die Schüler viel neues über die rechte Szene und konnten ihr Wissen vertiefen. Günter Kohl ist im übrigen auch Regionalbeauftragte der Regierung für Demokratie und Toleranz.

Wie sie mit dem lokalen Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz in Kontakt treten können, erfahren sie hier!

Aber auch ganz gewöhnliche Lehrer können Schüler im Rahmen ihres Unterrichts über Rechtsextremismus aufklären. Informationen über die Szene, ihr Auftreten, ihre Argumentationen und vieles andere, gibt es genügend – und zwar frei zugänglich.

Woher bekomme ich die Infos?

Wollen auch sie über Rechtsextremismus aufklären, wissen aber nicht, woher sie die benötigten Informationen bekommen sollen? Daran soll und darf es nicht scheitern! Heute gibt es unzählige gut aufgestellte Internetseiten und Fachbücher, die wertvolle Informationen bereithalten. Eine kleine Übersicht über Bücher und Seiten, die grundlegende Informationen bieten: Das Buch gegen Nazis, Netz gegen Nazis, Mut gegen rechte Gewalt, Bundeszentrale für politische Bildung, Online-Beratung gegen Rechtsextremismus Endstation Rechts. BayernStörungsmelder.

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Ein Gedanke zu “Neu gegründete JN will vor Schulen ziehen – wie Lehrer auf rechte Propaganda reagieren sollten?

  1. Franz Sedelmeier schreibt:

    Ich finde diese Homepage hervorragend, jedoch bin ich der Meinung, daß dieser Widerstand- Schwandorf anders gepackt werden muss. Seit Jahren beobachte ich verschiedene Sachen, was auch einmal an höherer Stelle jemanden stutzig machen sollte (z.B. Finanzamt). Z.B. ist es doch komisch, daß sich höhere Bosse der NPD anscheinend ohne vernünftig zu arbeiten finanziell allein davon leben können, daß sie Unruhe stiften. Oder glaubt man wirklich,daß dieser neue Bezirksvorsitzende bei seiner Versandfirma einen Millionumsatz im Monat einfährt? Vorkommen könnte es einem bald so wenn man sieht wie und in welcher Kleidung er auftritt, ich als normaler Arbeiter kann mir das nicht so leisten, fehlt nur noch der Fahrer, dann kommt er einem Minister gleich. Interessant ist auch vieles andere. Z.B. ist es schon komisch, daß nach einer größeren Nazirauferei in Festzelten oder auf Kirwan immer die selbe Security- Firma für das nächste Jahr engagiert wird. Komischerweise war der Bezirksvorsitzende da lange beschäftigt. Vielleicht kommt das alles einmal richtig auf.

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