Enthüllungen zur Nazi-Szene führen in die Region

Martin Wiese:(C) Rüdiger Löster
Neonazi Martin Wiese bei einem Aufmarsch // © Rüdiger Löster

Derzeit machen in Bayern zwei Berichte zur Rechten Szene besondere Schlagzeilen: die neue, drohende Anklage gegen den Rechtsterroristen Martin Wiese und die Enthüllungen rund um die neonazistische „Jagdstaffel D.S.T.“ (Deutsch. Stolz. Treu). In beiden Fällen könnten womöglich auch Verbindungen zur lokalen Neonazi-Szene bestehen.

Von Johannes Hartl 

Der Fall Martin Wiese

Der bekennende Neonazi Martin Wiese könnte sich schon bald mit einer neuen Anklage wegen Bedrohung, Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen konfrontiert sehen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung kürzlich in ihrer Online-Ausgabe.

Wiese soll bei dem rechtsextremen „Nationalen Frankentag“ im August 2011 in Roden-Ansbach Journalisten bedroht und ein T-Shirt mit der Unterschrift von Adolf Hitler getragen haben. Einem Bericht des Aida-Archivs (Antifaschistisches Informations- Dokumentations- und Archivstelle München e.V.) nach soll Wiese wörtlich gesagt haben: „Allen die sich uns entgegenstellen, allen die uns fotografieren, die uns denunzieren und uns von der Arbeit wegbringen wollen (…) allen, die sich gegen deutsche Werte stellen, sei gesagt: Wir werden eines Tages kommen, Euch aus Euren Löchern holen, Euch vor einen Volksgerichtshof stellen und Euch wegen Deutschlands Hochverrats verurteilen zum Tode.“

Wegen diesen Vorfällen hat die Staatsanwaltschaft Würzburg Wiese nun angeklagt. Außerdem soll die Staatsanwaltschaft Hof Ermittlungen aufgenommen haben, da der Rechtsextremist im November 2011 bei einem Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel gegen das auferlegte Kontaktverbot verstoßen haben soll, wie die Süddeutsche Zeitung weiterhin berichtete.

Wiese hatte im Jahr 2003 bundesweite Bekanntheit erlangt, als er wegen eines geplanten Sprengstoffattentats auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Kulturzentrums in München zu einer Haftstrafe von 7 Jahren verurteilt wurde. An seiner Ideologie änderte dies aber offenbar wenig: Bereits während des Prozesses soll er Hasstexte verfasst haben und seine ganze Haftstrafe über von der mittlerweile verbotenen neonazistischen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene e.V.“ (HNG) umsorgt worden sein.

Im August 2010 wurde Wiese schließlich unter Auflagen wieder aus der Haft entlassen. Zu den Auflagen zählt auch das Kontaktverbot.

Enthüllungen zur rechtsextremen Jagdstaffel D.S.T.

Zugleich überraschten viele Menschen in Bayern die Enthüllungen des Politikmagazins Report München und der SZ. Recherchen der Medien hatten ergeben, dass angehörige der neonazistischen „Jagdstaffel D.S.T.“ in Tschechien mit scharfen Waffen trainiert haben.

Zudem entdeckte Report München die Seite einer fiktiven Schweizer Waffenfirma, in deren Impressum die beiden Chefs der Jagdstaffel als Geschäftsführer genannt worden sein sollen. „Insider vermuten, die Neonazis wollen sich als mutmaßlich seriöse Geschäftsleute bei Waffenmessen einschmuggeln“, so wird in dem Beitrag erklärt. In dem Artikel der SZ ist darüber hinaus noch die Rede von Links auf der Seite der Jagdstaffel, die zu Waffenvideos führen.

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Neonazi mit einer Jacke, die der Jagdstaffel D.S.T als Erkennungsmerkmal dienen soll bei einem Aufmasch in Schwandorf // © Hartl

Verbindungen zur Schwandorfer Szene?

Ob in beiden Fällen konkrete Verbindungen zur Neonazi-Szene im Raum Schwandorf bestehen, ist unklar. Auffallend ist jedoch, dass an dem Aufmarsch in Wunsiedel, bei dem Wiese gegen sein Kontaktverbot verstoßen haben soll, lokale Neonazis teilgenommen haben. Der Bezirksvorsitzende der NPD-Oberpfalz, Daniel Weigl, trat sogar als Redner auf. Und der LKW, der den Rechtsextremisten dabei als Bühne diente, wurde von Wiese gefahren.

Einem Artikel von „Mut gegen Rechte Gewalt“ zufolge soll Weigl übrigens auch beim „4. Nationalen Frankentag“ in Roden-Ansbach, bei dem Wiese seine Hetzrede gegen Journalisten hielt, anwesend gewesen sein.

Darüber hinaus ist auf Wochenblatt-Aufnahmen zu erkennen, dass bei dem letzten Neonazi-Aufmarsch in Schwandorf vom 18. Dezember auch ein Teilnehmer mit einer für die Jagdstaffel D.S.T. typischen Jacke mitmarschiert ist und als Fahnenträger fingierte. Das gleiche Symbol, wie auf der Jacke abgebildet war, ist auch auf der Internetseite der Jagdstaffel zu sehen und soll der SZ nach als „Erkennungsmerkmal“ dienen. Angemeldet wurde die Demonstration in Schwandorf, die sich gegen die „linke Hasspresse“ richtete, damals von Daniel Weigl.

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