Nazis konnten fast ungehindert durch Schwandorf marschieren

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Die Neonazis positionieten sich am Bahnhof für ihren Aufmarsch // © Hartl

Am Sonntag, 18. Dezember, hat am Nachmittag in der Schwandorfer Innenstadt ein Neonazi-Aufmarsch mit etwa 60 Teilnehmern stattgefunden, der sich gegen die anhaltend kritische Berichterstattung über Rechtsextremismus richtete. Angemeldet wurde die Veranstaltung von Daniel Weigl, dem Bezirksvorsitzenden der NPD-Oberpfalz. Besonders pikant: Bis zuletzt hatte das Landratsamt keinerlei Informationen herausgegeben, sodass es nur wenig Gegenprotest gab.

Von Johannes Hartl, Schwandorfer Wochenblatt

Genau einen Tag nach der Gedenkfeier für die Opfer des rassistischen Brandanschlages auf das Habermeier-Haus im Jahr 1988 versammelten sich etwa 60 Neonazis am Schwandorfer Bahnhof, um ab 14 Uhr gegen „linke Medienhetze“ zu demonstrieren. Ihr Protest richtete sich dabei auch gegen die Berichterstattung des Schwandorfer Wochenblattes. Die Szenen, die sich abspielten, waren ungeheuerlich: Von der Polizei geschützt, setzte sich der Demonstrationszug vom Busbahnhof über die Güterhallenstraße in Richtung Ettmannsdorferstraße in Bewegung, ehe sie von der Naabuferstraße auf den Marktplatz abbogen und auf Höhe des dortigen Spielwarenladens ihre Kundgebung veranstalteten. Als Redner traten neben Daniel Weigl und Simon Preisinger (NPD Tirschenreuth) auch der bekennende Neonazi Matthias Fischer auf. In ihren Redebeiträgen äußerten sich die Neonazis unter anderem über Linksextremismus und die mediale Berichterstattung über die rechtsextreme Szene der letzten Zeit.

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Doch das Schwandorfer Bündnis gegen Rechts stellte sich erfreulicherweise gegen den Neonazi-Aufmarsch // © Hartl

Erfreulicherweise fanden sich trotz der kurzen Vorbereitungszeit an die 40 Gegendemonstranten ein, die gegen die rechte Veranstaltung protestierten und somit klar Stellung bezogen. Teilweise war von der rechten Rede dank des lautstarken Protestes, an dem sich unter anderem auch Bürgermeisterin Ulrike Roidl und der Landtagsabgeordnete Franz Schindler (beide SPD) beteiligt hatten, nichts zu vernehmen.

Nachdem die Kundgebung der Rechtsextremisten beendet war, setzten diese sich wieder zurück zum Bahnhof in Bewegung. Die Route führte dabei zunächst wieder zurück in die Naabuferstraße, die sie dann in Richtung Adolf-Kolping Platz verließen. Von der Klosterstraße aus schritten sie dann in Richtung Breite Straße, bevor sie schließlich auf die Friedrich-Ebert-Straße bogen. Weiter ging es die Friedrich-Ebert-Straße entlang, hinein in die Postgartenstraße und kurz darauf durch die Nagelschmiedgasse zur Pesstraße. Zurück am Bahnhofsplatz angelangt wurde die neonazistische Versammlung dann aufgelöst.

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Die Nazis wurden ausgebuht  // © Hartl

Von Seiten der Gegendemonstranten zeigte man sich vor allem empört darüber, dass das Landratsamt nichts bekannt gegeben hatte, obwohl die Versammlung den Angaben eines Polizeisprechers nach bereits am Freitag von Daniel Weigl angemeldet worden war. Franz Schindler sagte gegenüber dem Wochenblatt: „Ich weiß nicht, wo die Schwachstelle war, wenn es stimmt, dass es am Freitagvormittag anzeigt worden ist, dann ist das ein starkes Stück, dass das bis Sonntag um halb zwei niemand von dem Bündnis erfahren hat.“ Das der Landrat davon etwas wusste, glaubt Schindler allerdings nicht. „Das ist jedenfalls eine organisatorische Schwachstelle, der man nachgehen muss“, so Schindler weiter. Dass die Nazis nur einen Tag nach der Gedenkfeier für die Opfer des Brandanschlages durch Schwandorf ziehen mussten, sieht er als Zeichen der Charakterlosigkeit der Rechtsextremisten.

Die Polizei zog am Ende weitestgehend eine positive Bilanz. Von einer kurzzeitigen Blockade in der Naabuferstraße und von einer sich „anbahnenden Konfrontation“, die verhindert werden konnte, sei es zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen. Insgesamt seien achtzig Polizeibeamte aus dem Polizeipräsidium und mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei im Einsatz gewesen.

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