Stadtrat sagt Ja: Stolpersteine in Schwandorf

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Symbolbild // Foto: bassTI/Jugendfotos

Der Schwandorfer Stadtrat hat in seiner Hauptausschuss-Sitzung am Montag, 17. Oktober, einstimmig die Idee von Wolfang Meischner (ÖDP) angenommen. Meischner hatte bereits am 30. November letzten Jahres die Verlegung von so genannten „Stolpersteinen“ für die Erinnerung an die jüdischen Opfer der NS-Diktatur in Schwandorf angeregt. Im Zuge der „Pflege der Erinnerungskultur“ solle zudem das Kriegerdenkmal in der Fichtelanlage umgestaltet werden.

Von Johannes Hartl
Ein Beitrag für das Schwandorfer Wochenblatt

Als Oberbürgermeister Helmut Hey (SPD) auf den Themenpunkt „Stolpersteine gegen das Vergessen“ zu sprechen kam, stellte er klar, dass die Folgen der NS-Diktatur in Schwandorf in vielen Bereichen noch nicht abgearbeitet seien und die Erinnerungskultur gepflegt werden müsse. Deshalb will sich nun auch Schwandorf seiner Geschichte und Vergangenheit, insbesondere in der Zeit des Dritten Reiches, stellen. Hey erklärte, dass er in diesem Falle keinen Vorschlag unterbreiten wollte, da bei dem Thema eine Diskussion „wichtig“ sei.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Schwandorfer SPD-Fraktion, Franz Schindler, dankte Meischner für die Anregung und stellte klar, dass er „Sympathie für den Antrag Meischners“ empfinde würde. Zur Veranschaulichung führte er die Stadt Nabburg als Beispiel an, die sich bereits an diesem Projekt beteiligt hat und sechs Stolpersteine verlegen ließ. Außerdem ging er darauf ein, dass es bei der Verlegung von Stolpersteinen keineswegs darum gehe, jemanden anzuklagen. Ziel sei es lediglich, zu „erinnern und zu pflegen“, so Schindler weiter. Und dafür sei es seiner Auffassung nach „höchste Zeit“, da es Zeitzeugen vermutlich nicht mehr allzu lange geben wird. Allerdings betonte er auch, dass die Forschungen in diesem Sektor noch nicht beendet sind und es abzuwarten gilt, bis genaue Zahlen und Fakten vorliegen. Zur Umgestaltung des Kriegerdenkmals sagte Schindler, dass auch den weiteren Opfern und nicht alleine den Soldaten gedacht werden müsse. Das Leid der Soldaten solle damit aber nicht relativiert werden, vielmehr gehe es ihm darum, den „Charakter der Anlage“ zu verändern. Dies könnte beispielsweise zusammen mit Künstlern geschehen. Genaueres sollte allerdings in einem Grundsatzbeschluss festgelegt werden.

Andreas Wopperer, Fraktionsvorsitzender der CSU-Schwandorf, schloss sich den Äußerungen Schindlers weitestgehend an und entschied sich zusammen mit seiner Fraktion für die Verlegung von Stolpersteinen. Gesondert hervor hob er aber, dass bei einem allgemeinen Denkmal auch andere Verfolgte in der Nazizeit nicht übersehen werden dürfen. Auch Ferdi Eraslan von den Freien Wählern sprach sie klar für die Stolpersteine aus, verwies aber wie Schindler darauf, dass es wichtig sei, genauere Nachforschungen abzuwarten. Er forderte Hey desweiteren dazu auf, einen Beschlussvorschlag zu formulieren, woraufhin der OB mitteilte, dass die Stadt auf die entsprechenden Grundstückseigentümer zugehen wolle, in deren Häuser früher Personen jüdischen Glaubens gelebt haben, und mit der Verwaltung Vorschläge erarbeiten werden sollen.

Nachdem es keine Einwände gab und sich der Stadtrat klar für die Stolpersteine positioniert hatte, bedankte sich Wolfgang Meischner bei allen und betonte, dass es „wichtig“ sei, dass dieser Grundsatzbeschluss gefasst worden sei. Wann genau die Stolpersteine dann verlegt werden, sei jetzt erst einmal nachrangig, wie Meischner sagte. Den Entschluss des Stadtrats bezeichnete er als „positives Signal“. Helmut Hey ergänzte noch, dass der „Wille zum Ausdruck gekommen ist“. Wie viele Stolpersteine insgesamt in Schwandorf verlegt werden, ist bislang noch unklar. Die Liste der jüdischen Einwohner in Schwandorf von 1899 bis 1941 umfasst derzeit 39 Namen. Franz Schindler gab an, dass es am Ende rund 50 Personen sein werden und berief sich dabei auf Studiendirektor Erich Zweck. Gegenwärtig arbeitet Zweck noch an seinen Untersuchungen, bis wann er diese beendet haben wird ist ebenfalls unklar.

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