Ibraimo Alberto verlässt Schwedt – ein bedauernswerter Verlust

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (06.Juli.2011) und der ZEIT-Blog „Störungsmelder“ (01.Juli.2011) berichteten, hat der bisherige Ausländerbeauftragte der Stadt Schwedt, Ibraimo Alberto, seinen Job kürzlich aufgegeben und die Stadt verlassen. Als Grund hierfür gab der gebürtige Afrikaner an, sich in Schwedt nicht mehr sicher zu fühlen. Die Stadt bedauert den Verlust, erkennt aber keine Gefährdungslage. Ein bedenkliches Zeichen für unsere demokratische Gesellschaft.

Von Johannes Hartl

Wie weit ist es gekommen, wenn ein Afrikaner wegen seiner Hautfarbe und der damit verbundenen Ausgrenzungen und Bedrohungen eine Stadt mit ca. 34000 Einwohnern verlassen muss? Wie weit ist es gekommen, wenn ein so couragierter Mann, der sich stets gegen Rassismus und Rechtsradikalismus engagiert hat, wegen seiner Hautfarbe angefeindet wird? Wie weit ist es gekommen, wenn der Sohn eben dieses Mannes bei einem Fußballspiel in seiner Heimatstadt rassistisch beleidigt wird?

So unglaublich und erschreckend all das klingen mag, es ist einem Mann passiert: Ibraimo Alberto. Der Boxer und bisherige Ausländerbeauftragte seiner ehemaligen Heimatstadt Schwedt/Oder sah sich mit derartigen Ausgrenzungen, Bedrohungen und Beleidigungen seine Person betreffend immer wieder konfrontiert. Doch nicht nur er wurde Opfer solcher Diskriminierungen, auch seine Kinder wurden immer wieder rassistisch beleidigt und ausgegrenzt. Allgemein sollen die Anfeindungen, die zum großen Teil von Rechtsradikalen ausgingen, massiv zugenommen haben.

Nachdem seine Frau aufgrund dieses Hasses, mit dem ihr Mann leben musste und den sie selbst nicht ertrug, depressiv wurde und sich die Situation nicht besserte, traf Alberto eine folgenschwere Entscheidung. Eine Entscheidung, die sehr deutlich aufgezeigt hat, wie schlecht es in Deutschland um Werte wie Toleranz und Akzeptanz bestellt ist. Einige Schwedter bedauerten Angaben der „Süddeutschen“ zu Folge seinen Entschluss und versuchten ihn von diesem Schritt abzubringen – doch vergebens. Seine Entscheidung war gefallen, er war nicht mehr gewillt sich so behandeln zu lassen.

Alberto hat Schwedt mittlerweile verlassen und ist nach Süddeutschland gezogen. Seine Frau und seine beiden Kinder seien noch in der Stadt, um letzte Dinge zu regeln. Bald würden auch sie ihm nachfolgen und sich – vermutlich für immer – aus Schwedt, der Stadt, in der sie bisher gelebt haben, verabschieden. Damit vollendet die Familie eine Entscheidung, die viele überraschte Menschen zurücklässt. Erst jetzt kommt die Frage auf, wie es so weit kommen konnte und was Alberto dazu bewogen hat – leider etwas spät.

Die Stadt hingegen versucht das Problem des offen ausgelebten Rassismus in Schwedt weitestgehend zu ignorieren. So hieß es auf der Homepage, dass Alberto die Stadt aus „beruflichen Gründen“ verlassen würde. Von den rassistischen Angriffen auf seine ganze Familie, von den Ausgrenzungen und den permanenten Diskriminierungen war nicht im Entferntesten die Rede. Es erweckt fast den Anschein, als ob der zuständige Bürgermeister das Problem lieber unter den Teppich kehren will. Die große mediale Aufmerksamkeit, die seiner Stadt nun zu Teil wird, und die zunehmend negative Berichterstattung scheinen dem Stadtoberhaupt Probleme zu bereiten.

1_Aufzeichnung
Die offizielle Mitteilung der Stadt Schwedt zum Weggang Albertos

Bei vielen hat die Entscheidung Albertos einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die meisten fragen sich wohl, wie es soweit kommen konnte? Wie konnte ein Mann in einem demokratischen Staat dazu gezwungen sein, seine Heimatstadt zu verlassen? Der aus Mosambik stammende Alberto hatte seinen Entschluss damit begründet, dass er sich nicht mehr sicher fühlen würde. Wieso aber wird ein Mann, dessen Courage weit mehr als bewundernswert ist, nicht öffentlich in Schutz genommen, wenn er angefeindet und beleidigt wird? Wieso hat ihm niemand medienwirksam den Rücken gestärkt? All diese Fragen werden vermutlich unbeantwortet bleiben.

Eines ist allerdings schon jetzt klar: all das, was Ibramio Alberto wiederfahren ist, das Verhalten der Stadt und der mangelnde Rückhalt für diesen Mann ist einer Demokratie nicht würdig. Es ist viel mehr eine Schande.

Dem studierten Sozialpädagogen Alberto, der in Schwedt bisher nirgendwo eingestellt wurde, scheint es von nun an allerdings besser zu ergehen. Wie er der „Süddeutschen“ gegenüber angab, werde er in seiner neuen Heimat in Süddeutschland deutlich besser behandelt und akzeptiert und sogar eine Arbeitsstelle in einem Kindergarten habe er gefunden.

So erfreulich diese Nachricht auch ist, so blamabel ist das ganze für die Stadt Schwedt. Der Weggang von Ibramio Alberto wird für die brandenburgische Stadt noch einen großen Verlust darstellen, der, wenn man frühzeitig reagiert hätte, hätte vermieden werden können.

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Ein Gedanke zu “Ibraimo Alberto verlässt Schwedt – ein bedauernswerter Verlust

  1. Ralf schreibt:

    Gut gemacht ^^ find den Artikel super.

    Auch wenn im ersten Abschnitt einfach leider klar ist warum er angegriffen wird von den neonazis: hautfarbe anders UND führt dann AUCH NOCH Kampangen gegen die Nazis. Mehr als klar dass er dann von den Rechten angegriffen wird. Die Sauerrei daran ist (wie du schon geschrieben hast) einfach dass ihm nicht der Rücken ausreichend gestärkt wurde. Und die Vertuschung ist mehr als lächerlich. Da ein Blatt vor den Mund zu nehmen ist falsch. Klar ist es sehr schwer die ausfindig zu machen und dann wenn sie ausfindig gemacht wurden dann zu bestrafen wird leider auch oft schwer. Aussage gegen Aussage. Im Zweifelsfall für den Angeklagten. Aber trotzdem sollte man es versuchen – nur weil es schwer ist sollte man sich der Verantwortung nicht entziehen.

    Aber nochmal zurück zum Artikel XD find ihn gut, gute Arbeit ^^

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